Mini-BHKW: Das Regelenergie-Projekt von Lichtblick

Der in Hamburg ansässige Ökostromanbieter Lichtblick hat gemeinsam mit den Übertragungsnetzbetreibern ein Projekt gestartet, um zahlreiche Mini-BHKW virtuell zu einem zuverlässigen Kraftwerk zusammenzuschalten. Im ersten Schritt nehmen 400 Mini-BHKW an diesem Projekt teil. Herzstück dieses ambitionierten Vorhabens ist die von Lichtblick entwickelte Software „SchwarmDirigent“, mittels derer die einzelnen BHKW miteinander vernetzt werden.

Regelleistung aus dezentralen Minikraftwerken

Netzbetreiber sind verpflichtet, in gewissem Umfang Reservekapazitäten zur Stromerzeugung bereitzuhalten. Ein Teil dieser Reserve muss extrem kurzfristig zugeschaltet werden können, wenn Stromerzeugung und –verbrauch ins Ungleichgewicht geraten. Die am schnellsten verfügbare Reserveleistung muss innerhalb von 30 Sekunden verfügbar sein. Zu diesem Zweck wurde das europäische Verbundnetz in einzelne Regelzonen unterteilt. Innerhalb der einzelnen Regelzonen sorgt die so genannte Sekundärregelleistung für den Ausgleich zwischen Stromangebot und -nachfrage. Üblicherweise wird diese von Großkraftwerken bereitgestellt. In dem nun gestarteten Projekt übernehmen erstmals kleine dezentrale Stromerzeuger diese Funktion, indem sie zu einem virtuellen Kraftwerk zusammengefasst werden.

Ein „Quantensprung“

Das Unternehmen spricht von „einem Quantensprung für die Energiewende“ und man kann ihm dabei noch nicht einmal eine Übertreibung vorwerfen. Die zunehmende Zahl der dezentralen Stromerzeuger gilt bislang als eines der größten Probleme für die Netzstabilität. Mit „SchwarmDirigent“ werden sie stattdessen zum Teil der Problemlösung. Daraus ergeben sich weitreichende Folgen. Die Direktvermarktung von privat erzeugtem Strom wird deutlich lukrativer, wenn die Erzeuger Zugang zum Regelleistungsmarkt haben, weil hier höhere Preise gezahlt werden. Perspektivisch werden diese Stromerzeuger damit voll konkurrenzfähig und könnten sich sogar ohne besonderen gesetzlichen Schutz durch das EEG oder vergleichbare Regelungen am Markt behaupten.

Eines von zwei Problemen ist gelöst

Das Fernziel der Energiewende ist ein intelligentes Stromnetz, das im Idealfall sogar ganz ohne Großkraftwerke auskommen könnte. „SchwarmDirigent“ löst eines der beiden damit verbundenen Probleme: Dezentrale regelbare Stromerzeuger werden intelligent gesteuert, um zusammen wie ein großes Kraftwerk zu funktionieren. Grundsätzlich ist dieser Ansatz auf alle frei regelbaren Stromquellen übertragbar. Nicht gelöst ist damit das Problem der fluktuierenden Stromquellen Sonne und Wind. Zumindest kurzfristige Fluktuationen können ausgeglichen werden, indem diese Erzeuger über zwischengeschaltete Batteriespeicher ans Netz angeschlossen werden. Die Einbeziehung solcher Speicher hat Lichtblick bereits als einen der nächsten Schritte angekündigt. Damit könnte zugleich ein weiteres Problem entschärft werden. Fluktuierende Stromerzeuger können auch zu einer kurzfristigen Überproduktion von Strom führen. An besonders sonnigen Tagen ist es meist nicht sehr windig, deswegen könnten die Stromspeicher der Windräder Leistung aus dem Netz aufnehmen. Mit derselben Zielsetzung ist auch geplant, Ladestationen für Autobatterien und sogar Wärmepumpen in „SchwarmDirigent“ einzubeziehen.

Tags: 
Mini-BHKW
Blockheizkraftwerk