Fraunhofer IWES erweitert Testmöglichkeiten für BHKW

Blockheizkraftwerke (BHKW) spielen in der Energiewende eine wichtige Rolle. Anders als Photovoltaikanlagen oder Windräder sind BHKW frei regelbar und können somit dazu dienen, die schwankende Stromerzeugung der regenerativen Energien auszugleichen. Auf diese Weise können dezentrale BHKW dazu beitragen, die Anforderungen an die Großkraftwerke zu reduzieren, die als Backup-Kapazitäten ständig bereit gehalten werden müssen. Damit sie diese Funktion zuverlässig übernehmen können, ist eine stabile Anbindung an das Stromnetz unerlässlich.

Das Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (Fraunhofer IWES) hat einen Messstand für BHKW mit einer elektrischen Leistung von bis zu 2,5 Megawatt in Betrieb genommen, um deren Verhalten unter verschiedenen Bedingungen zu analysieren. Diese Messungen dienen als Grundlage für die Zertifizierung der Anlage. Ab 2015 sind diese so genannten „Typenspezifischen Einheitenzertifikate“ für alle BHKW vorgeschrieben.

Zielgruppe sind die Hersteller von BHKW

Das Angebot des Fraunhofer IWES richtet sich an die Hersteller, nicht an die Betreiber der BHKW. Bereits seit dem 01. Januar 2013 müssen alle BHKW mit einer elektrischen Leistung von mehr als einem Megawatt vor der Zulassung zertifiziert werden. Die Anforderungen sind dabei recht hoch, weil BHKW Systemdienstleistungen zur Stabilisierung des Stromnetzes erbringen sollen. Beispielsweise muss eine Verringerung der Leistung um 50 Prozent innerhalb von drei Minuten möglich sein. Es genügt also nicht, die Anlage im Bedarfsfall vom Netz trennen zu können. Stattdessen muss nachgewiesen werden, dass die Stromeinspeisung auch dann reibungslos funktioniert, wenn beispielsweise die Netzspannung oder die Netzfrequenz von den Sollwerten abweicht. Das Fraunhofer IWES führt die Tests in einem autarken Stromnetz durch. Dadurch ist es möglich, auch BHKW für den amerikanischen Markt oder andere Länder durchzuführen, in denen die Stromnetze beispielsweise mit einer Netzfrequenz von 60 Hertz arbeiten.

BHKW können sogar mehr

Wenngleich die Testanforderungen hinsichtlich der Systemdienstleistungen schon sehr hoch sind, hat ein Modellversuch in Hamburg gezeigt, dass BHKW sogar noch mehr können. Dezentrale BHKW können so genannte „Sekundäre Regelleistungen“ (SRL) bereitstellen. Als SRL wird der Strom bezeichnet, der gewissermaßen als letzte Reserve der Stromnetze dient. Wenn ein Kraftwerk ausfällt oder der Strombedarf unerwartet steigt, müssen große Strommengen kurzfristig jederzeit zur Verfügung stehen. Dementsprechend hoch sind sie Anforderungen, die jeder erfüllen muss, der als Anbieter von SRL zugelassen werden möchte. In der Praxis gelingt es fast nur Gaskraftwerken und Pumpspeicherkraftwerken, die jederzeitige Verfügbarkeit hoher Leistungsreserven zu garantieren. Ein Hamburger Modellversuch hat gezeigt, dass zahlreiche kleine BHKW dies auch leisten können. Dazu bedarf es nicht einmal einer zentralen Steuerung. Stattdessen reagiert jedes BHKW im so genannten „netzgeführten Betrieb“ individuell auf Schwankungen der Netzspannung und der Netzfrequenz.

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